Viele meiner Arbeiten bestehen aus Bruchstücken oder Ausschnitten alltäglicher Gegenstände, die ich zu eigenständigen Kompositionen füge. Man kann sie als Persiflage auf wissenschaftliche Modelle und Konzepte lesen.
Daher sehe ich in meiner künstlerischen Praxis viele Überschneidungen und Parallelen mit dem von Alfred Jarry erdachten anarchistischen und absurdistischen Philosophie- und Wissenschaftskonzept, das er   ́Pataphysik nannte. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts stellte der französische Schriftsteller die starren und abgeschlossenen Denkmuster der modernen Wissenschaft in Frage indem er deren Theoriebildung und Methodik parodierte. Für Jarry ist die  ́Pataphysik die Philosophie oder Lehre, die unter umgekehrten Vorzeichen
ein Paralleluniversum erfindet, das an die Stelle der bekannten Welt tritt. Jarry beschreibt sie als die Wissenschaft von der Vorstellungskraft des Menschen und als Wissenschaft aller Wissenschaften. Ihr liegt alles zugrunde, ohne sie gäbe es keine Ideen, keine Neugierde, keine Illusionen, keine Forschungen, keine Experimente und keine Erfindungen. In einer grenzenlosen Welt pataphysischer Betrachtungen ist alles Eins.
Das Mögliche und Vorstellbare wird dem Unmöglichen und Unvorstellbaren gleichgesetzt und kann nicht mehr als wahr oder falsch angenommen werden, sondern nur noch als gegeben und existent.
Eine typisch pataphysische Untersuchung ist zum Beispiel die Berechnung der Oberfläche Gottes, die Jarry in dem Roman „Heldentaten und Ansichten des Doktor Faustroll“ anstellt.
Er beschreibt eine Wissenschaft des Partikulären, also des Einzelfalls und wendet sich damit von der gängigen Vorstellung ab, dass Wissenschaft sich nur mit dem Allgemeinen beschäftigen könne.
Jarrys Werk ist eine Kritik an der allgemeinen Wissenschafts- und Fortschrittsgläubigkeit der Moderne und verweist auf einen beginnenden naturwissenschaftlichen Diskurs, dessen starre Newton´schen Gesetzmäßigkeiten von komplexen und pluralistischen Erklärungsmustern wie der Relativitätstheorie und später der Quantenmechanik abgelöst wurden. So eröffnet Jarrys  ́Pataphysik den Blick auf eine poetisch verstandene Wissenschaft und bietet eine Möglichkeit dem Verlust von Eindeutigkeiten zwischen der individuellen Wahrnehmung und der Welt künstlerisch zu begegnen.

Die postmoderne Welt, in der wir heute leben, hat einen enormen Grad an Komplexität und Vernetzung erreicht. Wir sind mit massiven globalen Problemen konfrontiert, wie dem schnell fortschreitenden Klimawandel oder der wachsenden Kluft zwischen den privilegierten Industriestaaten und jenen Ländern, die ausgebeutet werden. Es zeigt sich immer klarer, dass es unmöglich ist, finale, eindeutige und einfache Antworten auf diese und ähnliche dringenden Fragestellungen zu finden.
Wissenschaftliche Erkenntnisse werden vorrangig für jene technischen Innnovationen genutzt, die dazu dienen den Profit einiger weniger zu vermehren. Selten werden sie für das Gemeinwohl eingesetzt. Daher glaube ich, dass ein gesellschaftlicher Bewusstwerdungsprozess stattfinden muss, um den Problemen unserer Zeit angemessen begegnen zu können.
Wie Jarry kritisiere auch ich eine überbordende Fortschrittsgläubigkeit, da Technologie allein uns nicht retten können wird.